Treffen im ersten Quartal 2019

Hej,
kurz vor Weihnachten noch schnell die neuen Termine: 16.1., 12.2., 12.3. – ja, die letzten beiden Termine sind Dienstage. Ist ein Versuch, weil die Mittwöche so gar nicht klappen wollten…
Habt ein paar entspannte Tage und kommt gut ins neue Jahr!

Als ich mich selbst zu lieben begann

Für alle, die sich erden wollen, gibt es die Rede von Charlie Chaplin, gehalten zu Ehren seines eigenen 70. Geburtstags. Stören Sie sich übrigens nicht an dem Vers „Als ich mich selbst zu lieben begann“. Wenn Sie ihn so nicht mögen, kommt Ihnen vielleicht „als ich mich selbst anzunehmen begann“ entgegen. Es muss auch nicht jede Strophe für Sie passen. Aber irgendetwas nehmen Sie mit Sicherheit mit.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich verstanden, dass ich immer und bei jeder Gelegenheit zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin und dass alles, was geschieht, richtig ist – von da an konnte ich ruhig sein.
Heute weiß ich: Das nennt man Vertrauen.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
konnte ich erkennen, dass emotionaler Schmerz und Leid nur Warnungen für mich sind, gegen meine eigene Wahrheit zu leben.
Heute weiß ich: Das nennt man authentisch sein.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, mich nach einem anderen Leben zu sehnen und konnte sehen, dass alles um mich herum eine Aufforderung zum Wachsen war.
Heute weiß ich: Das nennt man Reife.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, mich meiner freien Zeit zu berauben,
und ich habe aufgehört, weiter grandiose Projekte für die Zukunft zu entwerfen.
Heute mache ich nur das, was mir Spaß und Freude macht,
was ich liebe und was mein Herz zum Lachen bringt,
auf meine eigene Art und Weise und in meinem Tempo.
Heute weiß ich, das nennt man Ehrlichkeit.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich von allem befreit, was nicht gesund für mich war,
von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen
und von Allem, das mich immer wieder hinunterzog, weg von mir selbst.
Anfangs nannte ich das Gesunden Egoismus,
aber heute weiß ich, das ist Selbstliebe.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, immer recht haben zu wollen,
so habe ich mich weniger geirrt.
Heute habe ich erkannt: das nennt man Demut.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich geweigert, weiter in der Vergangenheit zu leben
und mich um meine Zukunft zu sorgen.
Jetzt lebe ich nur noch in diesem Augenblick, wo ALLES stattfindet,
so lebe ich heute jeden Tag und nenne es Bewusstheit.

Als ich mich zu lieben begann,
da erkannte ich, dass mich mein Denken
armselig und krank machen kann.
Als ich jedoch meine Herzenskräfte anforderte,
bekam der Verstand einen wichtigen Partner.
Diese Verbindung nenne ich heute Herzensweisheit.

Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen,
Konflikten und Problemen mit uns selbst und anderen fürchten,
denn sogar Sterne knallen manchmal aufeinander
und es entstehen neue Welten.
Heute weiß ich: DAS IST DAS LEBEN !

Charlie Chaplin, 1959

Perfektionismus und Burnout

Was unterscheidet eine gesunde Leistungsbereitschaft von krankhaftem Perfektionismus?
Das Los vieler Perfektionisten ist, dass sie Fehler eher sehen als ihre Leistung und schwer daran zu knabbern haben, wenn sie ihre hoch gesteckten Ziele nicht erreichen. Prüfungsangst ist eine logische Folge, alles Mögliche wird aufgeschoben bzw. für nicht fertig erklärt, weil ja immer noch etwas zu verbessern ist. Das kostet Zeit und Nerven. Etwas zu delegieren ist häufig ebenfalls mit Stress verbunden, weil dann die Kontrolle über die Qualität ein Stück weit abhanden kommt… Was hilft?
Mehr dazu hier:

http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/perfektionismus-wenn-der-hohe-selbstanspruch-zur-last-wird-a-1161036.html

Störfaktoren beseitigen

Sie wünschen sich mehr Energie für all die Dinge im Leben, die Sie wirklich machen wollen? Dann rate ich Ihnen, erstmal die Störfaktoren in Ihrem täglichen Leben – die Ihnen Energie rauben – zu verbannen. Es fängt an mit so Nichtigkeiten wie dem abgelaufenen Absatz eines Schuhs, zieht sich über die Blume, die umgetopft werden will über das permanent schmutzige Auto bis hin zu unsortierten Papieren auf dem Schreibtisch. Und es hört auf mit schlechten Angewohnheiten des Partners und dem zu weiten Weg zur Arbeit. Häufig sind es eben nicht nur Kleinigkeiten, die uns im Alltag stören und uns auf die Stimmung schlagen. Alle Punkte auf eine Liste geschrieben – das können schon 50 und mehr sein! Nur drüber nachdenken reicht nicht. Möglichst an einem Tag in der Woche ein paar Stunden reservieren, möglichst gleich mehrere Punkte abarbeiten, hinterher was Schönes unternehmen – einen Sekt trinken, Essen gehen, Kino. Günstig ist auch, das Unterfangen gleich zu zweit zu starten. Da gibt’s bestimmt einen Freund, der auch so eine Liste nötig haben könnte. Möglicherweise sind da auch komplexere Punkte zusammen gekommen und es braucht drei Monate um nennenswert fortgeschritten zu sein. Es muss auch nicht sein, dass alle Punkte abgearbeitet sind – ein Zwischen-Fazit tut es auch. Zumal ja manche Unannehmlichkeiten auch nicht direkt beeinflussbar sind (die aber bitte auch auf die Liste wollen). Über die müssen Sie dann nicht weiter nachdenken. Sie sind Ihnen immerhin bewusst.
Es kann sein, dass Sie nicht wissen, womit Sie die Liste beginnen sollen. Das heißt dann aber wahrscheinlich nicht, dass es da nichts zu notieren gäbe, sondern, dass Sie schon etwas abgestumpft sind. Kategorisierung könnte auch helfen. Was toleriere ich im Berufsleben, im Haus, in der Familie, im Freundeskreis, an meinem Körper?
Wie gesagt: Häufig sind es nicht nur Bagatellen, die wir in unserem Leben hinnehmen. Es sind nur diese kleinen Störer, die uns daran hindern uns mit dem zu beschäftigen, was uns wirklich hinderlich ist. Und die müssen nach und nach verschwinden, damit wir den Blick auf das Wesentliche richten können. Und wenn es dann so ist, dass es da nichts Dramatisches gibt, dann ist es um so besser!
Idee: Talane Miedaner, Coach dich selbst, sonst coacht dich keiner. München, 2010, S. 36ff

Ihr Plan ist zu voll?

Sie bürden sich privat wie beruflich immer wieder zu viel auf? Sie lieben Ihren Job, Ihre Kinder, Ihre Hobbys, Ihre Verpflichtungen, den ersten Vorsitz hier, die Kassenwartin dort? Sie sind so angespannt, dass Sie auch in Situationen, die eigentlich entspannend sein sollten, nicht loslassen können von beruflichen Schwierigkeiten hier, von der Planung des nächsten Wochenendes dort, hüpfen von Thema zu Thema und leiden unter Konzentrationsschwierigkeiten? Und natürlich kommen Sie immer und überall zu spät, weil die Zeit nie ganz reicht, die Sie einplanen?
Da gibt es zwei einfache Maßnahmen:

  1. Setzen Sie sich jeden Morgen hin und machen Sie sich Gedanken über sich und Ihr Leben. Planen Sie dafür wenigstens 15, besser 20 Minuten ein.
  2. Kommen Sie zu jedem Termin 10 Minuten zu früh. Und warten Sie und kommen Sie in Ruhe an. Nehmen Sie die Zeit als Geschenk oder sehen Sie sich einfach mal um. Sie haben bestimmt schon festgestellt, dass erfolgreiche Menschen offenbar viel Zeit zur Verfügung haben.

Das Prinzip der Neuroplastizität

Unsere Gedanken und Handlungen können die Struktur mit der wir denken und handeln plastisch und praktisch verformen. Das Prinzip ist bekannt: „Etwas ’schleift sich ein‘, ein Gedankengang, den wir öfter gehen, wird zum Trampelpfad, und aus lauter Bequemlichkeit nehmen wir irgendwann nur noch diesen Weg, auch wenn es einen besseren gibt.“ Daraus folgt, dass unser Denken, also unser Bewusstsein, unser Sein bestimmt. Wir sind also das, was wir oft denken und tun.
Ganz besonders werden Menschen durch ihre Berufe geprägt. Wenn Eckart von Hirschhausen eine Frau mit großzügig ausgeschnittenem Dekolleté sieht, wo schaut er hin? Auf die Schilddrüse, er kann als Arzt nicht anders. Und er schaut dann so lange, bis sie schluckt – wegen der Größe. Einer Mathematik-Lehrerin kann es schon mal passieren, dass sie die Kassiererin im Supermarkt fürs Rechnen mit der Maschine belobigt und dann meint, sie möge die Addition doch jetzt bitte auch per Kopf vornehmen. Und das Juristenhirn sucht überall den Haken an der Sache. Worauf ich hinauswill ist klar. Wir kommen nicht etwa automatisch qua Alter unserem Selbst immer näher, sondern wir werden immer mehr zu dem, was wir oft tun und denken. *
Das bedeutet, dass wir genau dort ansetzen sollten, wenn wir etwas verändern wollen. „Auf die Dauer der Zeit nimmt die Seele die Farbe der Gedanken an“, sagt Marc Aurel. Dann sehen wir doch zu, dass uns die Farbe passt. Ein Anfang kann schon sein, dass wir uns ein paar Sätze oder Begebenheiten (oder Gedichte oder Bilder) überlegen, die für uns positiv sind. Die notieren wir dann auf kleinen Zetteln oder wir gönnen uns Postkarten oder Fotos und verteilen sie in der Wohnung. So stolpern wir ständig darüber und sorgen so dafür, dass wir gute Gedanken haben! Als kleine Sofortmaßnahme – es müssen nicht immer gleich die großen Dinge sein.

*Bis hier bin ich z. T. wörtlich, z. T. im Wortsinn Eckart von Hirschhausen gefolgt: Glück kommt selten allein, Rowohlt, 2009, S. 62ff.