Suizid-Absichten ernst nehmen

Es ist leider so, dass viele Menschen in depressiven Phasen über Selbstmord nachdenken. Sie sitzen am Rechner und recherchieren, wie das am besten geht, sie haben ausreichende Mengen an Schlaftabletten vorrätig, um einen Ausweg um aus ihrer Ihnen im Moment unerträglichen Situation zu finden. Es passiert dann häufig doch nichts. Weil der eine an seine Kinder denkt und gerade noch beschlossen kriegt, sie nicht verlassen zu wollen. Der nächste setzt sich ins Auto und fährt lieber zum Krankenhaus um sich einweisen zu lassen. Und wieder ein anderer hat jemanden um sich, der seine Gedanken ernst nimmt.

Menschen mit Depression erleben nicht nur großes Leid, sondern haben auch durch die Erkrankung jegliche Hoffnung verloren. Sie glauben nicht daran, dass ihnen geholfen werden kann und sich ihr Zustand je wieder bessert. Um diesem als unerträglich empfundenen Zustand zu entkommen, kann der Wunsch entstehen, nicht mehr Leben zu wollen.
Wer selbst an Suizid denkt oder gefährdete Menschen kennt, sollte umgehend ärztliche Hilfe suchen.

Umgang mit suizidalen Menschen

Welche Alarmzeichen sollte man ernst nehmen?

  • Suiziddrohungen und -ankündigungen
    Das Vorurteil, dass sich ein Mensch, der von Selbsttötung spricht, nichts antut ist falsch.
  • Große Hoffnungslosigkeit und Äußerungen wie:
     „Es hat ja doch alles gar keinen Sinn mehr…“, „Irgendwann muss auch mal Schluss sein…“, „Es muss jetzt was passieren…“ sind bei depressiven Menschen Hinweise auf eine ernste Gefährdung.
  • Angelegenheiten ordnen, Abschied nehmen
    Viele Menschen möchten vor einem Suizid ihre Angelegenheiten ordnen. Beispielsweise verschenken sie Wertgegenstände, setzen ihr Testament auf oder verabschieden sich von ihren Freunden und Verwandten. Wer fest zum Suizid entschlossen ist, wirkt oft ruhiger, gefestigter und weniger verzweifelt. Die Mitwelt kann zu dem trügerischen Schluss kommen, es gehe mit der-/demjenigen endlich wieder aufwärts.

Was können Sie tun, wenn Sie einen akut suizidgefährdeten Menschen kennen?

  • Sprechen Sie das Thema an!
    Wenn Sie den Verdacht hegen, dass ein Freund oder Angehöriger suizidgefährdet ist, sollten Sie ihn in ruhiger und sachlicher Weise darauf ansprechen. Die Befürchtung, man könne dadurch den Suizid erst provozieren, ist falsch. In aller Regel stellt es für einen suizidgefährdeten Menschen eine Entlastung dar, mit einer anderen Person über die quälenden Gedanken sprechen zu können.
  • Ziehen Sie professionelle Hilfe hinzu!
    Versuchen Sie sich nicht als Therapeut, sondern unterstützen Sie den Betroffenen, professionelle Hilfe zu suchen. Hilfe können Sie bspw. bei einem niedergelassenen Arzt/Psychotherapeuten oder in einer Klinik suchen.
  • Sorgen Sie für den Menschen!
    Zeigen Sie Ihrem Gegenüber, dass Sie für ihn da sind. Übernehmen Sie in der akuten Situation Verantwortung für den anderen. Begleiten Sie die gefährdete Person zum Arzt oder in die Klinik. Nachts kann das die psychiatrische Notfallambulanz sein, aber auch der ärztliche Notdienst.

Das Wichtigste bei akuter Suizidalität ist, nicht alleine in der aussichtslos erscheinenden Situation zu bleiben, sondern sich trotz oft vorhandener Scham- und Schuldgefühle einer anderen Person anzuvertrauen.

Wenn ein Mensch unmittelbar von Suizid bedroht ist, er aber in keiner Weise mehr über ein Gespräch erreichbar ist und nicht bereit ist gemeinsam Hilfe aufzusuchen, so sollte zu seinem Schutz der Notarzt verständigt werden. Bitte berichten Sie dem Notarzt genau von der Situation und lassen Sie den betroffenen Menschen bis zum Eintreffen des Notarztes nicht allein.
Das Wichtigste ist, Zeit zu gewinnen, da der Wunsch zu sterben fast immer nur ein vorübergehender Zustand ist und auch bei schwierigen Lebenssituationen meist der Lebensmut zurückkehrt.